Ein Stück Blasmusikgeschichte begraben Rupert Gerstbauer – fast sechzig Jahre Musiker

Wenige Tage nach Franz Steininger verließ uns der praktisch gleichaltrige Landwirt und langjährige Vizekapellmeister Rupert Gerstbauer. Er hatte am 16. September noch die Vollendung des 75. Lebensjahres begehen können. Nicht vergönnt war es ihm allerdings, volle sechzig aktive Musikerjahre zu erleben, dieses so seltene Jubiläum hätte er erst im nächsten Jahr erreicht. Der Name Gerstbauer ist mit der Blasmusikgeschichte von Grafenschlag auf das Engste verbunden. Der Vater Johann Gerstbauer erwarb den Kapellmeisterberechtigungs- schein und übernahm in der Zwischenkriegszeit die musikalische und organisatorische Leitung der kleinen Ortsmusikkapelle Grafenschlag. Er sorgte auch nach 1945 für den Wiederbeginn und Weiterbestand des Musi- zierens. Als es zur Gründung des Musikvereines kam, fungierte Dir. Alois Mitterauer als Dirigent, Kapellmeister blieb aber bis zu seinem Tod in Würdigung seiner Leistungen um das Blasmusikleben in Grafenschlag Johann Gerstbauer. Dieser spielte noch in beachtlich hohem Alter in seiner Musikkapelle Bassflügelhorn. Rupert Gerstbauer war der getreue Sohn seines Vaters und nahm sich ab seiner frühesten Jugend um das Musizieren an. Mehr als 59 Jahre ist er der Musik treu geblieben, was auch vom Niederösterreichischen Blas- musikverband mit den entsprechenden Ehrenzeichen anerkannt worden ist. Jahrzehntelang hat er sein geliebtes Flügelhorn geblasen, also das führende Melodieinstrument im Blasorchester. Gerstbauer hat sich auch der Tanzmusik gewidmet und war darüber hinaus Kirchenmusiker, wo er dann Geige spielte.

In Würdigung seines Einsatzes und seiner vorbildlichen Treue zur Blasmusik war Rupert Gerstbauer von allem Anfang an Vizekapellmeister im neugegründeten Musikverein Grafenschlag. So hat er auch in dieser Funktion seinen Anteil dazu geleistet, dass die Aufwärtsentwicklung unserer Musikkapelle sehr erfolgreich war.

Der gleichnamige Sohn Rupert ist seit Jahren eine besondere Stütze auf dem Bassflügelhorn und musikalisch wie kameradschaftlich ein Vorbild. Rupert Gerstbauer konnte sich auch darüber freuen, dass Enkeltöchter von ihm in der Musikkapelle Grafenschlag mitgewirkt haben, bzw. auch jetzt auf der Klarinette namhafte Leistungen erbringen. Seine Musikalität lebt auch in einer Enkeltochter weiter, die in der Gemeinde Kottes beheimatet und als langjährige Schülerin von Reinhard Hörth, eine Meisterin auf der Harmonika ist.

Am offenen Grabe nahm namens des Musikvereins Obmann Franz Gretz Abschied. Er dankte Rupert Gerstbauer für sein vorbildliches Wirken und seine nicht minder beispielgebende Kameradschaft. Der Verstorbene hatte nie den Verlust der geliebten Gattin überwinden können. Obmann Gretz betonte, er sei stolz darauf, dass die Musiziergemeinschaft unserer Musikkapelle Rupert Gerstbauer in den Jahren seit dem Verlust der Gattin Lebensinhalt geben konnte, nun war das Musizieren das Einzige, das ihm noch positive Erlebnisse vermitteln konnte. Der Name Gerstbauer bedeutet ein wesentliches Stück Blasmusikgeschichte von Grafenschlag und das werde auch künftig so bleiben, vor allem weil ja noch die Nachkommen des teuren Verstorbenen in unserer Musikkapelle aktiv sind.

© Gemeindezeitung Grafenschlag Nr. 90 Dezember 2009


Manuel